Geschichte

Die Produzenten-Konsumenten-Genossenschaft Bern, Trägerin des Hallerladens, ist ein Kind der späten Siebzigerjahre: Neue Shopping-Center beschleunigen das «Lädeli-Sterben», Menschen mit ökologischem Bewusstsein entdecken die Vorzüge des Bio-Landbaus, sozial Engagierte suchen nach neuen, hierarchielosen Arbeitsmodellen mit dem Ziel der Selbstverwaltung.

1980

Eine Gruppe linker Studenten um Michael Kaufmann ergreift 1980 die Gelegenheit, ihre Zukunftsvisionen in einem Projekt zu bündeln: Sie übernimmt den kleinen Milchladen an der Hallerstrasse 1 im Berner Länggassquartier mit dem Ziel, Bio-Produkte zu verkaufen und zu propagieren und die Menschen über Bio-Landbau zu informieren. Es ist eine Zeit, in der das «Forschungsinstitut für Biologischen Landbau» eben erst gegründet wird, in der es ausser «Demeter» noch keine Labels oder Richtlinien für Bioprodukte gibt, und in der das Wort «Bio» für Grossverteiler ein Fremdwort ist.

70 Mitglieder gründen am 7. Juni 1980 im Quartierrestaurant Beaulieu die Produzenten-Konsumenten-Genossenschaft, eine aussergewöhnliche Kombination, da doch die Interessen der Produzenten und der Konsumenten gegenteilig sind. Der Laden wird renoviert, in Fronarbeit, versteht sich, und öffnet am 17. August 1980 seine Tür fürs Publikum.

Das Angebot an Bio-Produkten beschränkt sich in der ersten Zeit auf Gemüse, Kartoffeln, Äpfel, Brot, Getreide, Käse, Quark und Nature-Joghurt. Alles Andere ist in Bio-Qualität noch nicht verfügbar. Mit dem ladeneigenen VW-Bus wird auf dem Markt, bei den Bauern und in der Käserei abgeholt, was anschliessend im Laden verkauft wird. Viele Team-Mitglieder arbeiten mit kleinem Pensum im Stundenlohn. Am Mittwoch Nachmittag, wenn der Laden - wie das damals im Quartier üblich - geschlossen ist, finden die Team-Sitzungen statt. Demokratisch wird verhandelt, welche Produkte neu aufgenommen werden sollen, wie das Putzen zu handhaben ist, wer das nächste Schaufenster macht. «Die Sitzungen sind unbezahlt, dauern aber dafür umso länger», ist zu der Zeit der ironische interne Kommentar dazu.

Der Laden findet reges Interesse bei der Käuferschaft. Trotz seiner nur gerade 27 m2 Ladenfläche strömt von allem Anfang an viel Kundschaft herein, da mit Bio-Getreide, Held Waschmitteln und Bio-Frischprodukten Dinge angeboten werden, die sonst fast nirgends zu finden sind.

1990

Im Hallerladen, wie das Lädeli der PKGB inzwischen genannt wird, sind die meisten Pioniere der ersten Zeit ausgeschieden. Das Team teilt sich in Leute, die hier ihr Brot verdienen, und Hobby-VerkäuferInnen, die noch ein anderes finanzielles Standbein haben. Das Sortiment vergrössert sich, der Umsatz erreicht die Millionengrenze. Es wird klar, dass die Pessimisten, die sich über die Bio-Leute ohne Zukunft mokiert haben, nicht Recht hatten, sondern dass im Gegenteil von vielen Seiten Interesse erwacht ist.

2000

Der Hallerladen besteht gegen die wachsende Konkurrenz. Der Umsatz erreicht CHF 1.5 Mio., das Team besteht nun aus Semi-Professionellen und einem Geschäftsleiter, der die immer schwieriger werdende Selbstverwaltung ablöst. Der Ladenbus fährt nicht mehr aufs Land hinaus, weil die Produzenten die Ware ins Haus liefern. Es wird schwieriger, die Kosten in den Griff zu bekommen, da die Abläufe kompliziert sind und auf der kleinen Ladenfläche keine Umsatzsteigerung mehr möglich ist. Die Suche nach einem alternativen Standort wird intensiviert.

2005

25 Jahre später, im Sommer 2005 zieht der Hallerladen innerhalb des Länggass-Quartiers um. Dieser Umzug markierte einen Neustart in der Ausrichtung des Biomarkts: Auf einer Ladenfläche von 125 m2 präsentiert sich der Hallerladen selbstbewusst, modern und offen. Unverändert geblieben sind jedoch die Leitideen der Gründerzeit.

Was hat das Modell PKGB in der heutigen Zeit verloren?

«Haben Sie noch Grund, warum Sie Ihre Genossenschaft nicht in eine AG oder GmbH umwandeln?» Diese Frage stellte Prof. Rolf Dubs anlässlich eines Seminars zur Führung von Genossenschaften.

Was als Idee zwischen Studieren aus dem Länggassquartier und Produzenten der Region Bern entstanden ist, ist ein Genossenschaftsmodell mit dem Menschen im Zentrum. Im Gegensatz dazu steht die Aktiengesellschaft oder société anonyme, die das Kapital ins Zentrum stellt und die Menschen anonymisiert.

Es ist fraglich, ob der Hallerladen als Aktiengesellschaft die Jahre überlebt hätte, in denen kein Gewinn resultierte. Ein Unternehmensmodell, das von Menschen getragen wird, ist dagegen ideell motiviert, überlebt manchen Generationenwechsel und die eine oder andere rote Zahl.

Selbsthilfe – ein weiteres typisches Element einer Genossenschaft – zeigte sich ursprünglich in der Förderung des Biolandbaus. Durch die Gründung des PKGB-Lädelis wurde sowohl für Bio-Produzenten ein Absatzkanal aufgebaut als auch für KonsumentInnen Bio-Produkte verfügbar gemacht.

Das Handelsregister akzeptierte in den 80er Jahren eine Genossenschaft, die sowohl Anliegen der ProduzentInnen als auch Anliegen der KonsumentInnen einbezog. Anliegen der Produzenten können selbstverständlich auch konträr zu den Anliegen der KonsumentInnen sein. Gerade diese Mischform erfordert ein ständiges Ausloten der Interessen und ein gegenseitiges Verständnis.

Im Artikel 2 der Statuten von 1980 steht: «Die Genossenschaft bezweckt Bekanntmachung und Förderung umweltgerechter und tiergerechter, dezentraler Produktion und Verteilung von Lebensmitteln auf der Grundlage der demokratischen Selbstverwaltung».

Der Hallerladen ist seit langem kein demokratischer Selbstverwaltungsbetrieb mehr. Spätestens seit der Verwaltungsreform 2009 sind die Strukturen schlank und die Verantwortlichkeiten klar verteilt. Nach wie vor gilt jedoch das partizipative Prinzip: jedes einzelne Mitglied kann sich einbringen in der Verwaltung, an der Genossenschaftsversammlung, an einem Treffen unter Produzenten oder mit Rückmeldungen im Ladenalltag.

Das unternehmerische Potenzial liegt in der Partizipation der Mitglieder, der hohen Legitimation und Glaubwürdigkeit, in der langfristigen, nachhaltigen Ausrichtung der Unternehmenspolitik, die einen konkreten Nutzen für die Mitglieder und nicht eine Profitmaximierung anstrebt. «Sehr geehrter Herr Professor Dubs, wir haben noch einen Grund, die Produzenten-Konsumenten-Genossenschaft Bern als Genossenschaft zu betreiben.»

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